PLATFORM - Frank O. Maier - exhibitions 10. 02. 2017 - 16. 02. 2017







PLATFORM
 - FRANK O. MAIER – MALEREIEN UND SKULPTUREN
 10.02.2017 – 16.02.2017

Die Bilder sind nur an die Wand getaped, die Objekte stehen nicht auf einem Sockel, sondern auf einem Karton, auf den Klebebändern sind handschriftliche Anmerkungen des Künstlers und die Ausstellung ist mit Neonlicht ausgeleuchtet. Das alles widerspricht einer klassischen Ausstellungssituation, in der sich der Blick der Betrachter_innen einzig auf die jeweiligen Werke konzentrieren sollte.
Die Ausstellung von Frank O. Maier lässt sich als große Installation betrachten – wie der Inhalt einer Kiste, die nur vorübergehend ausgepackt wurde, um eine temporäre Bühne zu errichten. 
Dieses provisorische Setting hinterfragt die Funktion einer Kunstausstellung und damit auch die Rolle des Künstlers.
Was bedeutet es, Künstler zu sein? Wie positioniert sich der Künstler in der Gesellschaft und auf dem Kunstmarkt? Worin besteht der Sinn des Kunstmachens?
Das sind einiger der wesentlichen Fragen, die die Arbeiten Frank O. Maiers stellen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Brechen mit dem Mythos. 
No. 1011, No. 1012, No. 1013... Die Bilder scheinen aus einer endlosen Gemäldeserie zu stammen – die Vorstellung des Künstlers als unermüdlicher Produzent. 
Tatsächlich aber hat Frank O. Maier willkürlich bei 1040 begonnen und mit jeder neuen Malerei rückwärts gezählt. 
Bis zum Gemälde Nummer Null wird er vielleicht gar nicht kommen.
Auch wenn Frank O. Maier bereits vor 1,5 Jahren mit dem Malen begonnen hat, betont er, dass seine Bilder weniger als Gemälde zu betrachten sind. 
Er ist Bildhauer. Seine Malereien sind, genau wie die Objekte, als bildhauerische Arbeiten zu verstehen. Sie sind Arrangements aus verschiedenen kleinen Geschichten und Bezügen.
Die Leinwand als Mittel zum Zweck: Einerseits, um eine Botschaft zu transportieren, andererseits, um sich an der Malerei als höchste Form der Kunst abzuarbeiten und sie zu ironisieren:
piss on canvas statt oil on canvas.
Frank O. Maier bedient sich eines Repertoires gesammelter Bilder, Fotos, Videostills und Symboliken, die er zu immer neuen Kompositionen zusammensetzt.
Dabei dienen die Bezüge weniger dem Verständnis der Betrachter_in, als dem künstlerischen Prozess selbst. 
Im Mittelpunkt steht der menschliche Körper und so finden sich in den Arbeiten Verweise auf die Abject Art, den Wiener Aktionismus und die feministische Kunst.
Frank O. Maier sammelt, klaut und eignet sich diese Geschichten an. Er kaut sie durch und spuckt sie wieder aus.
Der Hirsch als Sinnbild für das Männliche, der Frosch als das Unkeusche; Figuren aus der Literatur, wie Max und Moritz, Pippi Langstrumpf und der Mönch aus Marquis de Sades „Justine“. 
Die Motive besetzen die Arbeiten. 
Leicht zu übersehen ist ein kleiner schwarzer Vogel, der auf einem der Pink Heroes sitzt. Ein stiller Beobachter, der auf die Ambivalenz der Inszenierungen verweist: Pippi Langstrumpf, dem Kinderbuch entwachsen, streckt uns auffordernd ihr Gesäß entgegen (Pippi, 2008). Unter der goldenen Oberfläche der in die Luft gehobenen Geliebten (Violet Heroes (hang in the balance), 2014) steckt gekauter Kaugummi und getrocknete Spucke. Toulouse Lautrec, der Hirsch und der Frosch thronen auf Sockeln aus kristallisierten Pissepfützen.
Das Kauen ist bei chewed sculptures, 2012 und 2015, und bei Memories (Camille Claudel), 2014 wörtlich zu verstehen.
Die Vaginas aus Kaugummi sind eine Fortführung der Arbeiten der feministischen Künstlerin Hannah Wilke aus den 70er-Jahren. Es gilt, der Omnipräsenz des Phallussymbols etwas entgegensetzen.
In meiner Auseinandersetzung mit Franks Arbeiten ist für mich der Begriff des „Queerens“ immer wieder aufgetaucht. Ursprünglich ein Wort, mit dem Homosexuelle beschimpft wurden, wurde es von der Schwulen- und Lesbenbewegung in den 1980ern angeeignet. 
„Queer“ bedeutet wörtlich „stören“, „von der Norm abweichen“ oder „in die Quere kommen“. Auch das deutsche „Queren“, das „Queren oder Überqueren von Grenzen“ steckt darin. Im Zitieren von weiblichen und männlichen Symbolen und im Verschmelzen von Widersprüchen – schön und abgründig, billig und edel, leicht und schwer, anziehend und abstoßend, maskulin und feminin – findet dieses Que(e)ren statt. 
Bei Pink Heroes (Toulouse, Frog und Deer), von 2013 beispielsweise zeigt sich diese Gleichzeitigkeit von Leichtem und Schwerem, von Edlem und Billigem. Es erzeugt Uneindeutigkeit und Irritation – ein Hin und Her zwischen gängigen Grenzen unserer Vorstellung. 
Frank O. Maier schafft eine Ästhetik, die dem Abgründigen seine Schwere nimmt.

Mira Sacher









Sammeln, durchkauen, ausspucken – nicht nur in seinen buchstäblichen "chewed sculptures" spiegelt sich diese Vorgehensweise wider.
Die Arbeiten von Frank O. Maiers sind subversive Arrangements - ein Spielen mit Elementen der Abject Art, der Formensprache Auguste Rodins oder den Symbolen weiblicher Genitalien ähnlich der feministischen Künstlerin Hannah Wilke. Dabei löst die Nähe zu Tabuthemen, menschlichen Ausscheidungen und Phobien in den Betrachter_innen keinen Ekel aus: mehr faszinierend als schockierend sind die Kompositionen, die den Körper in den Mittelpunkt rücken. Ausschnitte aus einem Archiv an Fotografien, Bildern und Performances bekannter Künstler_innen werden in den Malereien neu angeordnet, golden-glitzernde und kristalline Oberflächen verschmelzen in den Skulpturen mit Kaugummi, Hartschaum und Tampons. 
Frank O. Maier schafft eine Ästhetik, die dem Abgründigen seine Schwere nimmt.

Mira Sacher































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